Sesshin in Kiental

von GastautorIn (Kommentare: 2)

Vorgeschichte zum Loblied auf Kuh: Ich hatte in langen Nachtstunden das Loblied verfasst und wollte dies an der Réception des Hotels ausdrucken lassen, um es in der Schlussrunde vortragen zu können. Zwei Mal hat der Ausdruck trotz dadurch verursachter Warteschlange an der Réception nicht geklappt, es ist kein Mail angekommen…

Was soll mir das sagen? Gibt es einen Grund, warum ich das Loblied nicht vortragen soll? Ist der Text nicht Zen genug und ist es nur mein Ego, das mit diesem Text Anerkennung erheischt und befriedigt werden will? Was will das Universum von mir? Ohne Ausdruck funktioniert das sowieso nicht. Das passt ja auch zu einem Thema der Woche: Annehmen und loslassen…so sei es.

Sitzen… Kinhin… Sitzen….

… eine Idee: ich könnte den Text ja auch vom Handy vorlesen. Nach dem Teisho von Anna über die Ochsenbilder von heute Morgen wäre es schön, wenn die Kühe auch gewürdigt würden. Männer und Frauen im Gleichgewicht... das würde auch sehr gut passen. Ich mache es. 

Sitzen... Schlussrunde. Der Vortrag beginnt:

Ich bin verliebt. In unsere Nachbarinnen. Die Kühe auf den Weiden nebenan. Diese haben mich in dieser Woche besonders berührt, bezaubert und inspiriert. Darum habe ich ihnen ein Loblied gewidmet. Wobei der Text - wie auch Anna in einem Teisho betont hat - oft mehr über den Schreibenden als über das Beschriebene aussagt. So ist dieser Text auch ein Ausdruck von wichtigen Themen, welche mir diese Woche begegnet sind. 

Loblied auf Kuh 

Oh du behörnte Königin des Kientals
Die du frisst, wenn du frisst und sitzt wenn du sitzt
Nicht wissend, dass du auf einer grenzenlosen Weide weidest
Ganz im hier und jetzt, nicht grämend dich über Vergangenheit noch hoffend auf die Zukunft

Du bist wie du bist, nicht grösser noch kleiner machst du dich
Duftende Kuhfladen gelingen dir ganz ohne Furcht und Scham
Gelassen ruhst du in dir, sanftmütig und stark
Sonne und Regen nimmst du an ohne Jubel und Klage

Mu ist dir kein Rätsel, sondern deine Natur
Kein Gedanke noch Knieschmerz stört deine Stille
Nichts ist zu erreichen noch zu vollbringen
Einfach nur sein, einzigartiger Ausdruck des Alls.

Oh du Lehrerin und Gefährtin, dir sei Preis
Bringst ein Leuchten in meine Augen
Weitest mein Herz und lässt es singen:
Liebe Kuh, ich bin ich, du bist du, ich bin du, Muuuuu. 

Lukas Erb, 11.10.18

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Kommentar von Regula |

Lieber Lukas
Danke für dieses Loblied auf die Kuh. Mu

Kommentar von Antje Pohl |

Lieber Lukas,
Danke für Deinen Bericht und das Loblied!
Es stützt meine Erinnerungen an dieses Sesshin und bewirkt ein Augenzwinkern zu MU.
Herzlich von Antje