Reise ins gelobte Land III

von GastautorIn (Kommentare: 0)

Am nächsten Morgen treffen wir uns zur Meditation auf der Terrasse des Ecce Homo. Wir öffnen uns für den Frieden in uns, im Wissen, dass wir damit auch dem Frieden in Jerusalem Raum halten.

Nach dem Frühstück begeben wir uns nach Abu Gosh, einem Vorort von Jerusalem mit ca. 7500 Einwohnern. Eine Besonderheit dieses Ortes ist, dass die Einwohner mehrheitlich Moslems sind, die vor ca. 300 Jahren in dieses Land gezogen sind und dort seither in Frieden und Einklang mit der jüdischen und christlichen Bevölkerung leben. In Abu Gosh besuchen wir zunächst ein altes Benediktiner Kloster, das im 12. Jh. errichtet wurde, bevor wir zu Ann gehen, einer amerikanischen Israelin, die sich in dieser friedlichen Gemeinde sehr wohl fühlt. Sie ist eine umwerfend sympathische Frau. Sie lädt uns zu sich in ihre Wohnung ein. Dort essen wir gemeinsam den welt-besten Hummus, anscheinend prämiert im Buch der Rekorde. Ann erzählt uns ihre Geschichte. Ihr Vater ist vor dem Krieg aus Deutschland in die USA emigriert, wo er 1950 ihre Mutter, eine Zionistin aus der Schweiz, heiratete. Als sechzehnjährige kommt Ann erstmals nach Israel, in eine sechswöchige «Kibbuz Experience». Sie habe sofort gewusst, dass sie hier leben wolle und wandert darum nach der Schulbildung in Israel ein. Mit den Jahren sensibilisierte sie sich zunehmend für die politischen Verhältnisse zwischen Israel und Palästina, bis sie in einem Peace Camp entscheidet, nicht mehr weg zu sehen, sondern stattdessen einen Beitrag zum Frieden zu leisten. Sie geht immer wieder in die besetzten Gebiete und bietet während Jahren in einem Zentrum als qualifizierte Körper-Therapeutin gratis ganzheitliche Behandlungen an, welche von den Palästinensern im Zentrum sehr geschätzt werden. Die Grenzübergänge bei den Checkpoints werden aber zunehmend belastend und bedrohlich. Schon lange will sie niemand ihrer Kolleginnen aus Palästina begleiten, sie müsste alleine fahren. Es kommt der Zeitpunkt, da die Grenze nach Palästina für sie energetisch unüberwindbar wird, und sie ihre Tätigkeit dort aufgibt.

Heute ist der Beitrag, den Ann leistet ein anderer: sie ist Mitglied einer Organisation geworden, die sich «Combatants for Peace» nennt. Die Mitglieder, bestehend aus Palästinensern und Israelis, versuchen mittels verschiedener Aktivitäten den Dialog und die Annäherung zwischen Palästinensern und Israeli gewaltfrei zu führen. Ann spielt in einer Theatergruppe mit, die themenspezifische Stücke zu «Non Violence» inszeniert und diese auch in den besetzten Gebieten aufführt. Sie beschreibt, wie die palästinensische Führung die Bevölkerung animiert, keinen Kontakt zu den Israelis aufzunehmen, die künstliche Trennung aufrechterhaltend. Beide Regierungen fördern die Angst, alle wollen hier sein und niemand will seine Heimat und sein Heim verlassen müssen.

Sara Proserpi

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