Reise ins gelobte Land II

von GastautorIn (Kommentare: 0)

Am Donnerstagmorgen, nach unserer Frühmeditation und letztem Frühstück brechen wir das Schweigen. Unser nächstes Ziel ist Jerusalem. Durch das Damaskus Tor führt der Weg zur Pilgerherberge «ECCE HOMO» an der Via Dolorosa.

Wir stellen fest, dass im Schweigen der vergangenen Tage ein Gruppengefühl entstanden ist. Das gemeinsame Sitzen in der Stille hat eine Qualität von Intimität und Vertrautheit bewirkt, an die mit Sprache leicht angeknüpft werden kann. Obschon alle den Nachmittag nach freiem Willen gestalten können, bleibt die Gruppe beieinander. Wir sind als Gruppe unterwegs, gewohnt, aufeinander Rücksicht zu nehmen, aufeinander einzugehen und zu warten. Wir gehen zu einem Sufi Meister und Freund von Anna im arabischen Viertel, der mit seinen Brüdern ein wunderbares Geschäft führt und uns alle beglückt mit seinen kostbaren Stoffen und Schmuckwaren.

Am Abend treffen wir als Gruppe Shoshana im YMCA. Shoshana hat zunehmend Respekt vor dem arabischen Viertel, den Gewaltausschreitungen, die sich immer wieder ereignen. Sie zieht es vor, uns ausserhalb der Altstadt zu treffen. Shoshana berichtet vom Alltag in Jerusalem. Sie erzählt von der zunehmenden Angst und Verzweiflung beider Ethnien, von der politischen Radikalisierung, der Zunahme der Gewaltausschreitungen und der Härte des Militärs. Grosse Teile der Staatseinnahmen würden in Waffen und Militär investiert. Es komme ihr vor, wie wenn «das Dunkle» nur allzu leicht an Macht gewinnen würde.

Sie berichtet aber auch von den Bemühungen aus der zivilen Bevölkerung, Angebote zu gestalten, die den Israelis wie auch den Palästinensern gleichermassen zugänglich sind, beispielsweise einem Kindergarten für Kinder beider Religionszugehörigkeiten. In ihrer mehrheitlich israelischen Nachbarschaft  ist eine junge palästinensische Familie eingezogen. Was sie zunächst mit Sorgen erwartet hat, entwickelte sich ganz erfreulich

Als direkt Betroffene des Holocaust sei in ihr Angst und Verzweiflung angesichts der zunehmenden Radikalisierung, aber auch der innige Wunsch, dass aus der Geschichte gelernt würde. Ihr Traum ist, dass beide Völker in Frieden miteinander auf palästinensisch-israelischem Boden leben, entweder  in einem Zwei-Staatensystem oder alle im gleichen Land. Entscheidend sei, dass alle die gleichen Rechte und Pflichten hätten.

Berührt und nachdenklich bedanken wir uns gegenseitig für diese Begegnung und machen uns auf den Weg zurück in die Altstadt.

Sara Proserpi

Zurück

Teilen

Einen Kommentar schreiben