MUSARA Philippines 3

von GastautorIn (Kommentare: 0)

Spuren...

Bild aus einem Workshop mit traumatisierten Jugendlichen in Manila

Seit über 20 Jahren arbeite ich im Bereich der Entwicklungsförderung in den Philippinen. Meine Aufgabe ist es, Projekte zu finden und umzusetzen, die den Ärmsten der Armen helfen. Um dazu fähig zu sein, sollte jede und jeder, der in der Entwicklungsförderung arbeitet, lernen, den Hoffnungslosen Hoffnung zu geben. Das ist eine grosse Herausforderung. Trauriger Weise ist es in den letzten Jahren doppelt herausfordernd geworden ist, nachdem die Tötungen im Land von links und von rechts begonnen haben.

Wenn du Klienten begegnest, die einen geliebten Menschen durch verordneten Mord verloren haben, ist es zunächst normal, sie zu trösten. Aber dort endet unsere Aufgabe nicht. Wir müssen die Familien der Opfer auf jede nur mögliche Weise unterstützen, und hier beginnt unsere Not. Plötzlich sind es nicht nur die Armen, die getötet werden. Auch Fachkräfte, etwa Rechtsanwälte oder solche, deren Arbeit im Bereich der Menschenrechte oder der „Community building“ liegt, sind Berichten zufolge getötet worden, nachdem sie sich für die Armen eingesetzt haben.

Im Mai 2018 begann unsere Organisation, die Schul- und Berufsbildung von jungen Leuten zu fördern, deren Väter Opfer der „Extra Judicial Killings“ - der aussergerichtlichen Tötungen - geworden waren. Bald nach unserer ersten Begegnung mit den verwaisten Jugendlichen wusste ich, dass ich Hilfe brauchte. Die Geschichten zu hören, wie die Väter unserer Stipendiaten ermordet wurden war zu viel für mich. Dies war der Moment für einen Hilfeschrei. Glücklicherweise hat Anna Gamma reagiert und einen Workshop angeboten für Menschen, die wie ich mit den Opfern der Ungerechtigkeit arbeiten.

Für sich selber Sorge zu tragen, ist für mich eine neue Erfahrung, ebenso wie für die anderen Teilnehmenden. Während des dreitägigen Workshops wurden viele Geschichten erzählt und viele Tränen sind geflossen. Wir haben unsere Ängste, Frustrationen und Gefühle von Hilflosigkeit während vieler Jahre unterdrückt und der Workshop, den Anna mit ihrem Team geleitet hat, hat uns geholfen, mit diesen Gefühlen in Kontakt zu kommen. Unsere Klientinnen kennen uns als mutige, unermüdlich helfende Fachkräfte. Für uns nun schuf das Team einen Raum, in dem alle die Möglichkeit hatten, sich in Sicherheit zu fühlen und frei zu sprechen.

Das Team machte uns mit verschiedenen Weisen bekannt, wie wir uns selber schützen und Stress abbauen können, so dass wir weiterhin in der Lage sind, unsere Arbeit zu tun - nämlich den Klienten und Klientinnen Unterstützung und Hoffnung zu geben. Unsere Herausforderung ist jetzt, zu lernen, wie wir das im Workshop Erlernte in unser tägliches Leben integrieren können. Die Übungen, die Anna uns gelehrt hat, sind einfach und können leicht durchgeführt werden. Eine Teilnehmerin machte es sich zur Selbstverpflichtung, unterstützende Körperübungen regelmässig durchzuführen. Eine andere sagte, dass sie sich in ihrem Alltag auf die Meditation der liebevollen Freundlichkeit - Loving Kindness oder Metta – je neu einstimmen möchte.

Nun tendiert man ja dazu, alles, was man gelernt hat, zu vergessen, wenn die Dinge wirklich schwer und beängstigend werden. Vielleicht wird die Erfahrung, die wir während des Workshops machen durften - uns sicher und frei zu fühlen - dazu beitragen, uns an die Dinge zu erinnern, die das Team uns beigebracht hat.

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