Zazenkai in Schlehdorf

von Anna Gamma (Kommentare: 0)

Nein, nicht mehr Hühner sitzen in diesem Haus auf ihren Stangen. Längst ist das Hühnerhaus auf dem Klosterhof von Schlehdorf umgebaut. Es ist zum Seminarraum geworden von Project Peace. In diesen Tagen sitzen bzw. meditieren wir: Teilnehmende des laufenden Lehrgangs, Ehemalige, die inzwischen an verschiedenen Universitäten studieren, Mitarbeitende vom Hof, ein paar Leute aus dem Dorf und Umgebung und Adelheid Tlach, die Gründerin dieser besonderen Schule. Zusammen mit einer Freundin, die sich nach der Pionierphase verabschiedete, hat sie Project Peace vor 5 Jahren ins Leben gerufen. Project Peace ist eine besondere Schule, eine Schule fürs Leben. Mehr dazu siehe www.projectpeace.de

Als Projektpatin wirke ich als Dozentin im Lehrgang mit. Dazu reist die ganze Gruppe Jahr für Jahr in die Schweiz, lebt für 2 Tage im Zen Zentrum mit. Die Lebensgemeinschaft vom Offenen Kreis rückt dann etwas zusammen, teilt die Räume mit den Jugendlichen. Auf dem Programm steht jeweils Einführung in die Zen-Meditation. An dieser Stelle möchte ich dem Katharina-Werk und allen Sponsoren danken, die für den finanziellen Aufwand dieses Moduls aufkommen.

Das Schweigen und insbesondere der strenge Zen Rahmen lösen meist Widerstände aus. Können die jungen Frauen und Männer in der kurzen Einführung etwas von der Kraft des Schweigens erfahren, dann sind sie auch gerne wieder dabei, wenn ich jährlich nach Schlehdorf komme. Die Ernsthaftigkeit, mit der sich die jungen Leute auf die Übung einlassen, berührt mich jedes Mal neu. Ihre Fragen, die sie im Plenum und im Einzelgespräch vorlegen, unterscheiden sich kaum von den Themen und Entscheidungen, in denen weit ältere Menschen stehen: Was ist meine Aufgabe, meine Berufung? Wie kann ich meine Panzerung loswerden? Wie finde ich den Mut, meiner Einzigartigkeit Ausdruck zu verleihen? Wie kann ich Eifersucht, wie Liebeskummer überwinden? Was mache ich mit meiner stillen, kochenden Wut? Und, was muss ich tun, um im Alltag weiter dran zu bleiben? In einem Punkt scheinen sie mir jedoch voraus, werden sie auch für mich zu Lehrmeistern, nämlich in ihrer Ehrlichkeit, über ihre eigenen Schwächen und Grenzen zu reden. Wie befreiend dies sein kann, zeigt sich in ihrem Lachen, das sich nicht selten noch mit Tränen mischt, die zusammen mit ihrem Eingeständnis fliessen.

Ich werde wieder kommen, in Dankbarkeit für den Ort und in Vorfreude, mit jungen Menschen die Spuren des Lebens je neu zu finden, einen Raum der Heilung im Schweigen zu schaffen und sich mit der Seele der Menschheit zu verbinden. Der nächste Termin ist: Donnerstag 29. Juni 19:30 bis Sonntag 2. Juli 13:00 Uhr, 2017. Wer macht mit, lässt sich vom Zauber des Schweigens mit vorwiegend jungen Menschen anstecken? Anmeldung an: http://projectpeace.de/kontakt/

Fotos: Mitgründerin Adelheid Tlach, Zendo, Altar

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