Meditation mit dem Lehrkörper der Schule „Emergence“ in Kinshasa

von Zen Zentrum (Kommentare: 0)

Was vor einer halben Stunde noch ein lebhaftes Klassenzimmer war, hatten die Schülerinnen und Schüler nach Schulschluss liebevoll geputzt und zu einem kleinen Meditationsraum umgeräumt.

Bereits beim ersten Mal war ich überrascht, wie wir, so verschiedenartige Menschen mit so verschiedenem kulturellem Hintergrund, innert Kürze zu einem intensiven Zusammensein fanden. Nach der Meditation mit zwei Runden Sitzen unterbrochen von einer Gehmeditation stimmten einige Frauen spontan ein Lied ihrer Schule an, das der frühere Rektor Adrien Manis komponiert hat (Je suis qui je suis). Das war eine besondere Antwort auf unser Kommen, in der sie uns spüren liessen, wie sehr sie im Singen und Tanzen zu Hause sind.

Im Nachdenken über dieses Zusammensein konnte ich den Eindruck nicht los werden, dass die Lehrerinnen und Lehrer eher aus Höflichkeit als aus eigenem Interesse mit dabei waren. Doch beim zweiten Mal zeigte sich das Gegenteil. Es war deutlich zu spüren, dass die Anwesenden viele Fragen hatten, die sie gerne wortgewandt stellten. Bevor wir uns gemeinsam auf die Stille einliessen, hatten ihre Fragen genügend Raum. Besonders die Frauen haben auf mich einen selbstbewussten Eindruck gemacht. Mit interessanten Fragen haben sie die Gelegenheit geschaffen, die Kernpunkte der Zen-Meditation in Philosophie und Praxis im Detail zu erläutern. Es kamen aber auch Fragen mit einer herausfordernden Note auf, etwa, ob die in der Kreismitte stehende Marienstatue, die von einem afrikanischen Künstler geschaffen wurde, und die Räucherstäbchen so etwas wie Götzen und Zauberwerk seien.

Bei diesen Begegnungen in der „Emergence“ war für mich am eindrücklichsten das wunderbare Erlebnis,  spüren zu können wie unser Engagement und unsere Motivation zur Reise richtig verstanden und geschätzt worden sind. Mein Anliegen war, mich in all das Leid einzufühlen, das wir Weissen in der Vergangenheit verursacht haben und auf andere Weise auch bis in die Gegenwart noch tun. In der gemeinsamen Meditationspraxis geht es mir darum, uns gegenseitig zu ermutigen, die eigene Wahrheit zu finden und zu leben. Dazu gehört auch die gegenseitige Wertschätzung und Pflege der je eigenen Kultur.

Peter Früh

18. November 2014

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