Gier nach Rohstoffen

von Zen Zentrum (Kommentare: 0)

Am Sonntagmorgen stand eine Meditation im Zentrum von Kinshasa im Mittelpunkt. Im Vorfeld der Reise hatten wir Informationen über die Ausbeutung des Landes durch den bis heute andauernden Handel mit den naturgegebenen Rohstoffen gesammelt. So wählten wir für die Lichtheilung die Kreuzung vor dem Grand Hotel de Kinshasa im Quartier West-Gombe . Dort spürten wir, dass ein Netz zusammenlaufe zwischen den Akteuren des Rohstoffhandels und dem in Kreisen der Regierung vermuteten Zentrum der Korruption. Ein kurzer Spaziergang führte uns zur Schweizer Botschaft, aus deren Garten wir einen Blick auf die Trennmauer zur einer der Privatresidenzen des Präsidenten tun durften. In der entgegensetzen Richtung liegen der offizielle Präsidentenpalast sowie zahlreiche Regierungsgebäude, darunter das Ministerium, welches die Lizenzen für die Ausbeutung der Bodenschätze vergibt. Ein naher Hotel- und Büroturm beherbergt jenes Unternehmen, das im Zentrum einer Manipulation steht, die den Staat 1,4 Milliarden Dollar an Lizenzeinnahmen gekostet haben soll, von denen ein Teil in kongolesische Taschen geflossen sei.

Lichtheilungsmeditation

Da standen wir Fünf also, am späteren Vormittag, in der gleissend hellen Sonne. Drei grosse, schattenspendende Bäume bildeten ein Dreieck um die Kreuzung. Wir verstanden diese Anordnung als Einladung, uns für die Lichtmeditation in dieser Weise aufzuteilen. Zuvor verabredeten wir deren Ablauf: Einzeln verbinden wir uns nach unten mit dem Zentrum des Planeten, dort wo sich die Moleküle so intensiv reiben, dass glühende Lava entsteht; dann nach oben in die Weiten des kosmischen Raumes, bis in die Unendlichkeit, zur subtilsten Ebene unbedingter Liebe und Weisheit. So liessen wir uns zu individuellen Lichtsäulen zwischen Himmel und Erde werden. Dann liessen wir die Verbindung zwischen unseren Herzen entstehen, und schliesslich in unserer Mitte, im Zentrum der Kreuzung, eine mächtige Lichtsäule, für die wir uns ein Fortbestehen, auch nach unserem Weggang, wünschen.

Nach diesen Vorbereitungen fanden wir uns in diesem Dreieck wieder: Anna Gamma und Mo Gehrig direkt vor dem Grand Hotel, Peter Früh auf der anderen Seite der Kreuzung, Margaritha Gnägi etwas weiter weg, das Dreieck Richtung Regierungsviertel zu einem Trapez erweiternd, und ich vor einem niedrigen Gebäude, das sich als Hauptquartier eines Generals der Armee erweisen sollte. Ein kleiner Nebenschauplatz: Ich hatte mich auf einen blauen Plastikstuhl vor dem Eingangstor zur Generalsresidenz gesetzt, als ein Soldat auftauchte, dessen Sitz ich besetzt hatte. Um mich besser zu verstehen rief er den Verkäufer des danebengelegenen Getränkestands zu Hilfe und fragte, wo wir wohnten – unsere Aufstellung war also wohl bemerkt worden. „École Émergence“ war das Losungswort: Ein Strahlen ging spontan durch den Verkäufer, und er bedeutete dem Soldaten, dass mit uns alles in Ordnung sei.

Rund zwanzig Minuten später kamen wir fünf wieder zusammen, um uns über unsere Erfahrung auszutauschen. Vier von uns hatten eine riesige Lichtsäule wahrgenommen (auch eine goldene, unterirdische Vernetzung mit den Minen im Hoch-Katanga einerseits und dem Handels- und Korruptionsgewebe andererseits; dieser Goldfluss stieg in der Säule auf und ergoss sich über dem Land Kongo als goldenes Licht). Mo hatte dagegen einen die Säule umkreisenden, in die Erde hinein führenden Lichtwirbel gesehen. Mit dem Wunsch, die neu entstandene Lichtsäule möge weiter erhalten bleiben und auf die Umgebung transformierend wirken, verliessen wir den Ort für einen Ausflug an die Ufer des Kongoflusses.

Hans Jecklin

Sonntag, 23. November 2014

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