Bosnien - Tag 4

von Zen Zentrum (Kommentare: 0)

Wanderung zur Farma "Transforma"

Heute Morgen nach der Wir-Runde und einer Lichtmeditation fuhren wir mit dem Minibus nach Devetica. In einer zauberhaften Waldlichtung, wo auch eine kleine Kirche der ukrainischen Minderheit steht, erwartete uns ein Kraftort. Der Name Devetica kommt von "neun", benannt nach neun grossen Steinen, die unter machtvollen Eichbäumen stehen. Ihnen schreibt man eine spezielle Heilwirkung für verschiedene Organe zu.

Unter dem wachen Blick einer kleinen Katze öffneten wir uns dieser Heilkraft mit einfachen Körperübungen. Anschliessend führte uns Helen nach einem kurzen Picknick  über einen Waldweg zu ihrem Hof "Transforma". Immer wieder gab es wunderbare Ausblicke auf die Hügellandschaft. Unterwegs erklärte uns Helen die Grundlagen der Permakultur. Sie bewirtschaftet ihren Hof nach diesen Prinzipien.
 
Bei ihr angekommen schenkte sie den köstlichen, ortstypsichen Kaffee ein. Bald gesellten sich zu uns zwei Nachbarsfrauen. Sie erzählten ihre Lebensgeschichten: die eine Frau lebt als Bäuerin in Boskovici. Ihre Tage sind ausgefüllt mit harter Arbeit und schwierigen Umständen (Alkohol und häusliche Gewalt). Für sie scheint es keinen Ausweg zu geben. Traurig genug, denn sie teilt ihr Schicksal mit vielen Frauen in ländlichen Gegenden Bosniens. Die zweite Frau hat einen anderen Weg gewählt. Sie ist in den 70iger Jahren nach Holland ausgewandert und kommt nur über die Sommermonate zurück ins Dorf. Sie verdient ihren eigenen Lebensunterhalt und führt entspechend ein selbstbestimmtes Leben.
 
Später stösst Srdjan zu uns, Helens Mann. Er berichtet aus seinen Jahren im Kriegsdienst, zweieinhalb Jahre der Angst, ein Gefühl, das er auch nach 20 Jahren nicht wirklich los geworden ist. Angesprochen auf die Frage der Schuld, antortet er zunächst etwas sarkastisch, ja, ja, die Serben...er aber sehe dies anders. Im Krieg könne niemand der Schuld entfliehen. Nur die Frage, wie wir mit Schuld umgehen und uns gegenseitig entlasten können, ebnet den Weg zum Frieden mit uns und mit den anderen.
 
Zum Abschluss des Besuches auf Helens Hof - wir wurden noch mit einem kleinen Schnaps bewirtet - spielte uns ein junger Mann Misho vom Dorf mit seinem Akkordeon serbische und muslimsche Musik. Die melancholischen Lieder erzählen von unerfüllter Liebe, Sehnsucht, Not und Freude. Mit dankbarem Herzen kehrten wir nachdenklich ins Hotel zurück.
Zum Tagesabschluss erwartet uns ein Konzert von Alexandra Zvekan (Aleksz).
 
Ursula Paparić

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