Bosnien Herbst 2016 - Tag 3

von Karin Grütter (Kommentare: 0)

Neues spriesst aus alten Bruchlinien

Am Himmel steht noch immer eine zarte Mondsichel, während wir den Tag in Stille beginnen. Ein reicher Tag liegt vor uns: Am Mittag werden wir das Lichtkreuz in der römischen Garnison erneuern und den Tag mit der Meditation im Familienzentrum in Laktasi beschliessen. Die Meditationen und Lichtheilarbeit tragen durch den Tag. Helen führt uns durch Banja Luka und durch die bewegte Geschichte dieser Stadt und Region.
Am Vormittag besuchen wir die serbisch-orthodoxe Kirche und die Ferhadija-Moschee, erstere wurde im zweiten Weltkrieg zerstört, die Moschee im Bosnienkrieg. Beide Gotteshäuser wurden originalgetreu wieder aufgebaut und werden heute von zahlreichen Gläubigen besucht.
In der orthodoxen Kirche berichtet uns ein jüngerer Priester, dass der Wiederaufbau -, ausschliesslich mit Spendengeldern von Gäubigen finanziert - noch nicht abgeschlossen ist. Gefragt nach den Besonderheiten der Orthodoxie betont er die Gemeinsamkeiten der abrahamitischen Religionen, die dem selben Ursprung entspringen und dasselbe Ziel verfolgen. Mit Offenheit und feinem Humor beantwortet er unsere Frage nach der Stellung der Fauen in der orthodoxen Kirche. In der nahe gelegenen Ferhadija-Moschee empfängt uns ein Mitarbeiter. Über zehn Jahre wurde diese Moschee wieder aufgebaut. Erst diesen Mai könnte sie wieder eröffnet werden. Anwesend waren Vertreter aus Politik und Kirchen des serbischen und muslimischen Teils Bosniens. Bei der Grundsteinlegung war in den Medien noch vor einem drohenden Aufflammen kriegerischer Auseinandersetzungen die Rede. Die feierlich friedliche Eröffnung fand jedoch in unseren Medien wenig Resonanz. Einmal mehr zeigt sich, wie wichtig persönliche Begegnungen an Brennpunkten der Menschheit sind. Die Begegnung mit diesen beiden jungen Männern stimmen froh und lässt erahnen, dass neben allem Abgründigen Hoffnung auf ein erfülltes Miteinander möglich ist.
Am Nachmittag tauchen wir im Besuch des Museums der Serbischen Republik noch einmal tief in die wechselvolle Geschichte und Kultur dieser Region ein. Die verschiedenen Besatzermächte, Römer, Osmanen, Österreich-Ungarn, die kommunistische Ära, alle haben ihre Spuren hinterlassen.
In der milden Herbstsonne lassen wir den Nachmittag im pulsierenden Stadtzentrum ausklingen, bevor wir mit dem Bus zurück in unser Hotel chauffiert werden

Alle Artikel anzeigen

Kommentare

Einen Kommentar schreiben

Bitte rechnen Sie 6 plus 7.