Bosnien Frühling 2017 - Tag 2

von Bernadette Vögele (Kommentare: 5)

Diamant und Bergsee

Ursprünglich war heute auf der Farma Transforma neben Zazen ein verlängertes Samu geplant. Doch das Wetter macht uns einen Strich durch die Rechnung. Es ist zu nass und zu kalt für die Gartenarbeit. Wir verschieben das "äussere" Samu auf Seelenarbeit in uns selber, die genauso anstrengend sein kann. So beginnen wir den Tag auf dem Hof mit Zazen. Drei Einheiten in Stille für uns und diesen kraftvollen Ort. Wir sind gehalten im Offenen Kreis, der Gefäss ist, das nicht einschliesst, aber auch nicht verschliesst. Wir staunen, dass auch Aleksa, der 8-jährige Sohn von Helen und Srdjan Jäggi Kosic, die ganze Zeit mit uns in Stille sitzt. Umso mehr, als wir nachmittags auch wieder seine wilde Lausbubenseite im Fussballspiel mit den Hunden miterleben dürfen.

Es tut uns gut, den Weg zur "Dorfbeiz" zu Fuss zu gehen, wo wir uns in einer Wir-Runde austauschen und für den Nachmittag stärken. Wir können es brauchen, denn dieser verspricht intensiv zu werden. Anna Gamma wird den Workshop zu "Kernverletzung - Kernschatten - Kernkompetenz", der für Sonntag mit der örtlichen Zen Gruppe um Helen geplant ist, heute Nachmittag auch mit uns durchführen, so dass die beiden sich ohne Übersetzungsstress oder andere Störfaktoren einlassen können. Wir erfahren mehr darüber, wie wir von der Kernverletzung über den Kernschatten zu unserer Kernkompetenz finden können. Der Geist der Farma Transforma wird lebendig. Es herrscht eine kraftvolle Ruhe und Aufnahmebereitschaft. Diese Bereitschaft bleibt spürbar und trägt, als wir uns unseren eigenen tiefen Verletzungen und den sie schützenden Schatten zuwenden und uns anschliessend in Kleingruppen austauschen.

Was in der Kleingruppe einen Anfang hat, bestärken wir nach einer kurzen Pause. Wir versorgen in einer Meditation unsere inneren Wunden und nehmen das kleine, verletzte Kind, das in ihnen gefangen bleibt, zu uns und lassen es heil(er) werden. In uns allen ruht ein unverletzter Wesenskern, dem wir mit Hilfe einer meditativen Übung näher kommen. Jeder und jede ist ein einzigartiger Ausdruck des Universums. Verankert in der Haltung des Anfängergeistes sprechen wir uns Eigenschaften, Assoziationen, Metaphern zu. Das reicht von der sonnengewärmten Baumrinde über den Fels im Wasser und den Eisvogel bis zum Regenbogen und zum Sommerwind. In einem von Aleksa verzierten Schatzkästchen werden wir die Begriffe auf bunte Zettel geschrieben aufbewahren. Sie werden uns stärken, wenn wir wieder einmal mehr die Verbindung zur inneren Mitte verloren haben.
Die Farma Transforma wird für mich ihrem Namen einmal mehr gerecht: hier können Transformationsprozesse in Gang gesetzt und unterhalten werden. Das stimmt auch für die geplanten Weiterentwicklungen des Ortes zuversichtlich.
Ein reicher Tag geht zu Ende. Wir sind dankbar, müde und glücklich.

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Kommentare

Kommentar von Lukas Erb |

Liebe Alle
Herzlichen Dank für die inspirierenden Blogs, welche ich sehr gerne lese.
Ich wünsche Euch weiterhin wunderbare Tage der Transfomation, des Wachsens und des Erwachens.
In Verbundenheit von HerZen liebe Grüsse aus Liestal
Lukas

Kommentar von debora |

So schöner Text, vielen Dank, tut gut.
Durch Ihre Bemerkung von den Hunden dort wag ichs zu schreiben, unpassenderweise vielleicht, in dieser Situation, wo vermutlich in den nächsten Tagen mein lieber Sennenhundli eingeschläfert werden muss, Anna kennt ihn auch...
Unglaublich, dieser Schmerz. und weiss nicht wie damit umgehen, ist ja "nur ein Tier" laut vielen und also nicht zum "Beten für ihn" oder was tun in diesem Leben und dann Tod von ihm, - keine Ahnung...

Kommentar von Ursula Huez-Galli |

Ein wundervoller spiritueller Text, liebe Bernadette.
Zwei Sätze haben mich besonders beeindruckt:
- Der Offene Kreis, der nicht einschliesst und nicht verschliesst. (Er ist mir Heimat)
- "Verankert in der Haltung des Anfängergeistes sprechen wir uns Eigenschaften, Assoziationen, Methaphern zu"
(Dieser Text hilft mir momentan sehr).

Zu Deborah:
Ich kenne das. Es ist so schrecklich und hat mir vor 35 Jahren das Herz gebrochen. Ich habe mir damals geschworen: Nie mehr ein Haustier! Ich habe dies eingehalten, höre aber von andern, dass ein neues Tier wieder viel Freude bringen kann.

Kommentar von Andreas Böttcher |

Den Blog finde ich sehr inspirierend und ermutigend, gerade jetzt, da ich mich selbst in einer Phase des Umbruchs und der Transformation befinde.
Hat mich angeregt, mich näher über Kernverletzungen .... Kernkompetenz und über Permakultur zu informieren.
Gibt also sehr wohl ein richtiges Leben im falschen wie man sieht.

Kommentar von debora |

Liebe Frau Ursula Huez-Galli
dass ich durch Sie unbekannterweise diese schöne und freundliche Reaktion erhalte, tut gut, in diesem Zustand leider etwas out of control, Sie wissen...
Herzlichsten Dank Ihnen
d.

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