Bosnien 2016 - Tag 3

von Karin Grütter (Kommentare: 2)

Zendo Farma Transforma wird eingeweiht

Wir beginnen um 7 Uhr mit der Morgenmeditation und stimmen uns ein auf einen wichtigen und ganz besonderen Tag: Heute werden wir, die Sangha aus der Schweiz, zusammen mit der Sangha rund um Helen Kosiç Jäggi das Zendo auf der Farma Transforma feierlich einweihen. Doch bevor wir losfahren berichten wir uns nach dem Frühstück in der täglichen Wir-Runde, wie es uns geht und was uns beschäftigt. So unterschiedlich die individuellen Berichte sind, so sehr zeigt sich bereits an diesem ersten Tag diese besondere Atmosphäre, die auf diesen Reisen entsteht und einen sehr persönlichen Austausch ermöglichen.

Dann geht es los, wir fahren über Land hinauf zur Farma Transforma, dem Zuhause von Helen und ihrer Familie. Beim Eingang zum Zendo blühen die Glyzinien, es ist wunderschön! Hier warten 5 Frauen und Srdjan, Helens Mann, auf uns. Drei der Frauen haben wir letztes Jahr bereits kennen gelernt, die Wiedersehensfreude auf beiden Seiten ist gross, es ist, als würden wir uns schon sehr lange kennen. Das Zendo im Dachstock des Hauses ist hell, verspielt und gleichzeitig stark. Die Liebe, mit der dieser Raum eingerichtet wurde, ist rundum fassbar. Helen heisst uns offiziell willkommen. Anna begrüsst und spricht von der Stille, die Verbindung über Lände, Sprachen und Religionen ermöglicht. In der Runde erzählen wir uns, was dieser Tag für uns bedeutet und erfahren Verbundenheit und Gemeinschaft über vermeintliche Grenzen hinweg. Was letzten Herbst begonnen hat, ist gewachsen, stärker geworden: wir sind wichtig füreinander. Gemeinsam hier mit den Menschen aus der Umgebung in Stille zu sitzen, erfahre ich als sehr kraftvoll und als Gefäss mit riesigem Potential für uns alle.

Es folgt der feierliche Teil der Einweihung des Zendo beginnend mit dem Einzug, den die Zen-Kerngruppe aus Bosnien mit Helen, Valentina, Tatjana und Sanela zusammen mit Anna und Gerhard gestalten. Bevor wir die buddhistischen Liturgie „Das Tor des süssen Nektars“ gemeinsam feiern, segnet Helen den Raum. Mit dabei ist auch die Statue des Boddhisatva des Mitgefühls, Kanzeon, die in Japan geschnitzt und von Anna ins Zendo nach Luzern gebracht worden war. Nun steht sie hier und spannt ein weiteres Band von Japan über die Schweiz nach Bosnien. Auch die Sangha aus der Schweiz wird beschenkt: Srdjan hat aus einem Kirschbaumast einen fünfteiligen Kerzenständer geschnitzt. Einer der Teile wird ins Zendo nach Luzern reisen, die anderen in den 4 Meditationsräumen in Laktasi und Banja Luka stehen. Reich beschenkt verabschieden wir uns und fahren zurück.
Schon um 17 Uhr sehen wir uns wieder beim öffentlichen Vortrag von Anna. Gekommen sind über 20 Bosnierinnen und Bosnier, der Konferenzsaal ist voll. Anna spricht zum Thema „Durch die Stille zum inneren Frieden“. Prägnant und zeichnend unterstützt durch Alex hören wir, was Stille und Meditation ermöglicht: Begegnung auf Augenhöhe, Herzensbegegnung und Freiheit im Sein wie im Handeln. Einen Geschmack davon erfahren wir in der Runde vor allem beim gemeinsamen Singen. Es entsteht eine zauberhafte Stimmung, zugleich fröhlich, liebevoll und von grosser Ernsthaftigkeit. Es ist unglaublich, wie reich bereits dieser erste Tag war.

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Kommentare

Kommentar von jamil jemal |

Dass andre Wesen sehr andersartigen, vielleicht geschockten oder sonstwie schlimmen Tag heut durchzustehen haben (was Zenmeister vermutlich weise zu "beantworten" wüssten...), während dieser eindrückliche Text von Eurem wunderbaren wundersamen Tag uns erreicht - grosses Geschenk ist auch uns dies, "zum Heulen schön"... Vielen Dank!

Kommentar von Könitzer Margaretha |

Ich begleite eure Reise in Gedanken mit grosser Freude und viel Interesse.
Ganz herzlichen Dank für eure Berichte.
Margaretha

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