Bosnien 2016 - Tag 1

von Anna Gamma (Kommentare: 0)

Jasenovac

Leider gibt es keinen direkten Flug mehr nach Banja Luka. So reisten Gerhard und ich einen Tag vor der Gruppe über Zagreb, wo wir von Helen Jäggi Kosic abgeholt wurden. Auf der Fahrt nach Laktasi kamen wir am ehemaligen Konzentrationslager in Jasenovac vorbei. Es war während dem 2. Weltkrieg das grösste Sammel-, Arbeits-, Konzentrations- und Vernichtungslager im faschistischen unabhängigen Staat Kroatien. Wegen seiner Grösse wurde es auch „Auschwitz des Balkan“ genannt. Serben, Juden, Roma und Regimekritiker – Männer, Frauen und Kinder – wurden hier von Mitgliedern der Ustascha, einem kroatisch, rechtsextrem-terroristischen Geheimbund, eingesperrt, weiter in die KZs von Deutschand deportiert oder mit Messern, Hacken, Beilen und Äxten grausamst umgebracht. Der Lagerkomplex bestand aus 8 Nebenlagern, davon drei allein für Kinder bestimmt. Welch entsetzliche Abgründe!

Das KZ wurde an einem strategisch wichtigen Ort errichtet, dem Zusammenfluss von Save und Una und nahe an der Bahnlinie Zagreb-Belgrad. Heute bildet die Save die Staatsgrenze zwischen Kroatien und Bosnien. Entsprechend wurden auf beiden Seiten Gedenkstätten errichtet. Wie viele andere Lager, so wurden auch hier die Spuren des KZs am Ende des zweiten Weltkrieges zerstört. Ausser einzelner Teile der ehemaligen Lagereisenbahn erinnert nichts mehr an die dunklen Jahre.

Heute besuchten wir die Gedenkstätte auf kroatischem Boden. Schon von weitem war die steinerne Blume zu sehen. Sie wurde im Gedenken an die Opfer des KZs während Titos Zeit errichtet. Das satte Grün des Frühlings legt sich wie ein zärtlicher Mantel über das Gelände. Die Blumenkränze im Denkmal erinnern an den Besuch einer internationalen Delegation. Sie sind auch aus Israel angereist. Ein Kranz ist für einen ermordeten Vater bestimmt. Hier ist die Atmosphäre düster und kalt. Helen, Gerhard und ich visualisieren heilendes, göttliches Licht. Leise beginnt Gerhard zu singen: Erd und Himmel zu verbinden, bist gerufen du oh Mensch. Das gemeinsame Singen tut uns selber gut, befreit den Ort von erdrückender Schwere und erhellt unsere innere Stimmung.

Die Fahrt geht weiter über die Grenze, an der Gedenkstätte vorbei, die wir am Donnerstag mit der Gruppe besuchen werden.

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